Die ersten Schützenbruderschaften, Gilden und Vereine entstanden schon im Mittelalter. Anfangs wurden sie als Schützen in den Diensten der jeweiligen Landesherren verpflichtet. Vom bekannten Kaiser Karl I., der als Herrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation um 800 in Aachen residierte, ist zum Beispiel überliefert, daß er Schützen zur Missionierung und Sicherung des Christentums anwarb. Historisch unbewiesen ist allerdings, ob der Kaiser auch der Gründer oder Initiator der ältesten Schützenvereinigung ist. Urkundlich erwähnt wurde die Carl Schützengilde in Aachen erstmals Anno 1148. Gegen Ende des 14. und Beginn des 15. Jahrhunderts etablierten sich in Deutschland zusätzlich zu den ursprünglichen Schützen kirchliche Bruderschaften. Eine Entwicklung, die auf eine aus Flandern kommende Bewegung zurückzuführen ist und insbesondere Werke der christlichen Nächstenliebe propagierte.

 

Wie die meisten Schützenbruderschaften in unserer Heimat, verdankt auch die Bardenberger Schützenbruderschaft ihre Entstehung vermutlich den unruhigen Zeitläufen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Ihre Aufgabe war der bewaffnete Schutz des Gotteshauses, der Fronleichnamsprozession (der "Gottestracht") und der Bevölkerung vor marodierenden Banden, die nach den Durch- und Raubzügen von Franzosen, Holländern, Hessen, Schweden, Spaniern, Kaiserlichen, lothringischen und weimarischen Völkern hier ihr Unwesen trieben. Vorher mögen die Bardenberger bei Überfällen in der Fliehburg "Wilhelmstein", der Veste des Landesherren, des Grafen Jülich, Zuflucht gesucht und gefunden haben. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war Wilhelmstein schon nicht mehr Sitz der Vögte und Amtmänner des Jülicher Grafen. Für die schrecklichen Jahre jener Zeit sind ausgewiesen als Vogt von Wilhelmstein Johann Dietrich Grien (1591-1627) und Gottfried von Weisweiler (1627-1687) sowie als Amtmann Jacob von Locquenghièn zu Laach (um 1626) und Wilhelm zu Harff in Alsdorf (1629-1658). Sie hatten ihren Wohnsitz aber auf der Alsdorfer und Broicher Burg. Ebensowenig wie die damaligen festen Häuser unserer Heimat (Steinhaus, Kuchum, Forstum) konnte die Burg dem Ansturm der verschiedenen Belagerer standhalten. im Jahre 1642 wurde "Wilhelmstein" von weimarischen-hessischen Völkern erobert. Es ist zu vermuten, daß die Bevölkerung unserer engeren Heimat, die dem Schutz der genannten Kastelle oder festen Häuser mißtraute, schon im Anfang dieser Wirren sich zu Selbstschutzverbänden zusammenschloß, den Schützenbruderschaften.

 

Am 02.Juni 1661 hat ein gewisser Johannes Pistorius, der damals für die Pfarrei Bardenberg zuständige Jülicher Landdekan, Bardenberg besucht und über diesen Besuch einen Bericht verfasst. Dieser Bericht wird heute im erzbischöflichen Diözesanarchiv Köln (Decanatus Juliacensis) aufbewahrt. Er beschreibt die Pfarrkirche, die dort tätigen Personen und sonstige, kirchlich bedeutsame Tatsachen. Dem Bericht kann man unter anderem entnehmen, das damals nur der Apostel Petrus der Patron der Pfarrkirche gewesen ist; der Apostel Paulus war 1661 offenbar noch nicht einer der Patrone der Bardenberger Pfarrkirche. Bislang unbekanntes erfährt man aus diesem Bericht überdie Geschichte der heutigen St. Sebastianus Schützenbruderschaft Bardenberg. Unter den Einrichtungen der Pfarrei wird nämlich auch eine "Bruderschaft vom Hl. Sebastian" genannt ("Est confraternitas Sancti Sebastiani tamen absque proventibus"). Die Bruderschaft besaß eine eigene Satzung, in denen die jeweiligen Tätigkeiten genau beschrieben waren. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, nahm die Bruderschaft Mitgliedsbeiträge ein. Bruderschaften konnten auch über Immobilien, also Vermögen an Grund und Boden verfügen. Zu dieser Gruppe vermögender Bruderschaften gehörte die Bardenberger St. Sebastianus Bruderschaft allerdings nicht, denn in dem Bericht aus dem Jahr 1661 wird ausdrücklich festgestellt, das die Bruderschaft keine Einkünfte aus Immobilienvermögen habe.

Im Jahr 1661 hat es also in der Pfarrei Bardenberg eine Bruderschaft vom heiligen Sebastian gegeben. Diese Bruderschaft könnte durchaus bereits eine Schützenbruderschaft gewesen sein; in jedem Fall dürfte sie als unmittelbare Vorgängerin der heutigen St. Sebastianus Schützenbruderschaft anzusehen sein.

 

Nachweisbar ist die St. Sebastianus Schützenbruderschaft in Bardenberg für das Jahr 1678. Die Erinnerung daran hält ein anläßlich der 250-Jahrfeier im Jahre 1928 von der Gräfin von Borchgrave-Blanckart auf Schloß Ottenfeld erneuerten Schild aufrecht. In den alten Kirchenbüchern der Gemeinde Bardenberg ist die Bruderschaft seit dem Jahre 1690 oftmals und fortlaufend erwähnt, u.a. für das Jahr 1691 "der ehrenwerte Christian Leuchter", für das Jahr 1698 "der ehrenwerte Theodor Wolfs" und "der sehr ehrenwerte Notar und Advokat Paulus Sevenich", und für das Jahr 1700 "der ehrenwerte und rechtschaffende Mathias Müller" als "confrater sodalitatis St. Sebastiani" aufgezählt. Bei verschiedenen Anlässen wird die Bruderschaft genannt.

 

Leider fehlen uns über die früheste Zeit ihres Bestehens Archivalien. Wir können nur auf Grund vorhandener Urkunden und anderer Zeugnisse Rückschlüsse ziehen. Aus der Bardenberger Heimatgeschichte ist bekannt, daß der Vogt von Wilhelmstein im Jahre 1766 unter dem Schöffen Breis die St. Sebastianus-Schützen in Bardenberg zur Besetzung der Burgbrücke bei Wilhelmstein (Hausbrück) heranzog, um den Köhlern aus der Herrschaft Heyden (Kohlscheid) den Absatz ihrer Kohlen ins Jülicher Gebiet zu wehren, "da denen dies nachteilig war für ihren Kohlenbau".

 

Wie sich aus dem vorhandenen Protokoll- und Kassenbuch, das mit dem Jahr 1820 beginnt, ergibt, entsprach die Satzung der Bruderschaft, die sich örtlich den St. Sebastianus zum Patron gewählt hatte, aus drei Hauptleuten, einem Schützenmeister, der den silbernen Vogel nebst den Schildern in Verwahr hatte, zwei Fähnrichen (Fähndriche) - es gab eine große Standarte und eine kleine Fahne, die jeweils zur Ansteigerung angeboten wurden - und je nach Bedarf einen Führer (seit 1858) sowie den Secretair oder Buchhalter (=Buchführer), der jährlich einen Taler als Entgelt erhielt. Die Zahl der Brüder, die durch Ballotage bei einem Einstand von einem, später zwei Reichstalern zugewählt wurden,  betrug damals zwanzig bis dreißig. Zeitweilig (1836) wurde die Mitgliederzahl auf vierzig beschränkt. Die Brüder wählten in geheimer Abstimmung jeweils auf Vorschlag der Scheidenden die freiwerdenden Chargen.

Mitglied der Gesellschaft konnte nur werden, wer "unbescholten" war. Er mußte sich durch Unterschrift auf die Satzung der Bruderschaft verpflichten. Als Bruder hatte er monatlich einen Mitgliedsbeitrag von fünf Silbergroschen zu leisten. Zu seinen ständigen Pflichten gehörte die Teilnahme am Königsvogelschuß, an der "Bronck" am Peter- und Paulstag (auch "Gottestracht" genannt), an den Versammlungen am Sebastianustag und die Teilnahme am Begräbnis der Mitbrüder. Das unentschuldigte Fehlen oder ein anstößiges Benehmen war unter bestimmte Strafen gestellt. Die härteste Strafe war die des Ausschlusses.

Natürliches hat der größte Teil der Satzungen, Statuten usw. die Regeln über das Schießen zum Gegenstand. Der Königsvogelschuß, der gut dotiert war - meist mit dreißig Talern - war das Hauptereignis. Es brachte dem König aber auch Pflichten gegenüber den Brüdern. Er hatte das Schießen des Königsvogels im nächsten Jahr zu arrangieren. Mit den Brüdern zog er nach dem Vogelschuß in die Kirche. Am Peter- und Pauls-Fest hatte er den Aufzug der Schützen mit Musik - Tambour und Pfeiffer - zu stellen. Dafür durfte er dann "Musik", sei es im eigenen Haus oder in einer Wirtschaft, halten. Den Brüdern hatte er ursprünglich gratis ein Mittagessen, später eine Abendbewirtung zu geben.

Außer dem Königsvogel gab es noch einen "Pläsir"- oder "Lustvogel"-Schuß und den Ehrenvogel.

Weiter hatte der jeweilige König einen genau umschriebenen Silberschild mit seinem Namen und der Jahreszahl des Königsvogelschusses erstellen zu lassen zum Anhang an den silbernen Vogel. Dem, der drei Jahre hintereinander König wurde, gebührte der besonders wertvolle "Kaiserschild". Über den silbernen Vogel mitsamt den Schildern hatte der König und der Schützenmeister besonders zu wachen. Es gab gelegentlich auch einen Vize-König. Am St.-Sebastianustag des Jahres 1820 wurden - ausweislich des Protokollbuches - am silbernen Schützenvogel zweiunddreißig Schilder vorgefunden.

Bei der "Revision" am 20. Januar 1824 fanden sich nebst Vogel folgende Schilde:

  1. des Kaisers Quadflieg 1786
  2. das wegen des verlorenen neu ersetzte Schild (?)
  3. des Heinrich Zefall (auch Zevell, des Besitzers von Steinhaus) 1820
  4. des Peter J. Wamich
  5. des Franz Schroiff 1810
  6. des Heinrich Zefell 1821
  7. des Peter Josef Leuchter 1819
  8. des Simon Capellmann
  9. des Paul Eschweiler 1819
  10. des Peter Kerschgens 1814
  11. des Joh. Josef Wamich
  12. des J. Josef Leuchter 1811
  13. des Pet. Josef Eschweiler 1823

Im Jahre 1832 fanden sich weiter folgende Schilde vor:

  1. Mathias Silver Schirbach, Bürgermeister, 1824
  2. Heinrich Schroiff 1827
  3. Peter Jos. Plum 1828
  4. Aloys Mataré 1829
  5. Mathias Josef Frohn 1830
  6. Schristian Beckers 1831

 

Im Jahre 1839 schrieb der Buchführer (Secretair) Gaertner in gestochener Handschrift die revidierten Bedingungen des Vogelschusses nieder. In seiner Vorrede heißt es: "Der Zweck jeder Bruderschaft ist Friede, Freundschaft, Eintracht und ein unbeschuldeter Lebenswandel. Der diesem Zweck nicht entspricht, verdient nicht, in dieses Buch eingeschrieben zu werden, oder so er eingeschrieben ist, ausgestrichen zu werden."

Im Jahre 1844 hat die Bruderschaft besonderen Aufschwung gehabt. Es zeichnen sich nach Vorlegung der Statuten zur Einverleibung zahlreiche Bürger, teils als "Inaktive" ein, deren Namen im Bergbau von Bardenberg erwähnt sind, so Büttgenbach (Bergwerksbeamter), Reulaux (Direktor auf der Grube "Furth"), ferner Quadflieg, Wamich, Karhausen und Bürgermeister Schirbach sowie ein Wundarzt Dr. Pesch.

Dann scheint in den Jahren 1845, 1846 und 1847 eine Krise entstanden zu sein. Es heißt am 5. Juni 1848, daß alle Brüder, die in diesem Jahr zurückgeblieben seien, wieder ohne Einschreibegeld bis zum Peter- und Paul-Tag 1848 aufgenommen würden. Im Jahre 1850 wurden die Brüder Heinrich Ringens, Leonhard Roß und Peter Josef Birmanns beauftragt, für fünfundzwanzig bis dreißig Taler eine neue Fahne anzuschaffen.

 

Alte Munitionskiste

Aus dem Jahre 1846 verdient folgendes Ereignis festgehalten zu werden: "Bardenberg, den 10. Mai 1846"

Nachdem wir uns an besagtem Tage zum Schießplatz begeben hatten und einhellig auf das Holz schossen, gefiel es dem Herrn unser Vergnügen zu hemmen, indem ein Zuschauer, der 50 und 4 Fuß von der Stange entfernt stand, durch das Zurückprallen einer Kugel zu Boden geschmettert wurde. Derselbe starb nach einer Stunde. Er wurde von dem in Bardenberg wohnenden Wundarzt Dr. Pesch operiert und es befand sich eine kleinere Kugel in seinem Kopfe, welche das Gewicht von 2 Lot noch nicht erreichte. Bemerkenswert ist noch, daß der Verunglückte hinter den schießenden Schützen stand und daß die Kugel nur ganz leise getroffen zu haben schien.

Im Jahre 1851 wurde eine Kommission - bestehend aus den Hauptleuten Joh. Schroiff, Leonhard Roß und Peter Küppers sowie des Secretairs Joh.-Josef Frohn beauftragt, die Bedingungen des Vogelschusses von 1806 zu "reformieren". Sie haben schärfere Bedingungen zu Papier gebracht, sowohl hinsichtlich des Vogelschusses als auch hinsichtlich des Verhaltens der Brüder der Gesellschaft untereinander. Alle bekräftigen deren Annahme durch die Unterschrift oder ihr Handzeichen. Der Königsvogel wurde auf einer Stange errichtet. Dasselbe war beim vorerwähnten "Pläsir"-Vogel, der montags nach der Kirmes geschossen wurde, der Fall. Daneben gab es noch ein Schießen auf einer Scheibe, die auf einem Holz angebracht wurde. Das "Knötsch-Schießen" scheint also späteren Zeiten anzugehören.

Im Jahre 1892 scheint die Gesellschaft durch Niederlegung von Chargenämtern und Austritten in Schwierigkeiten geraten zu sein. Die Mitgliedschaft sank auf achtzehn herab.

 

Im Jahre 1864 wurde der "Vogel nachgezählt". Es fanden sich sechsunddreißig Königsschilder, dazu ein Kaiserbrust- und ein Rückschild, mit dem Vogel also neununddreißig Stück.

Für 1864 wurde als Schützenkönig vermerkt: Böhmer, Franz

für 1865 Scheeren,

für 1866 Küppers,

für 1867 Plum,

für 1868 (Küppers),

für 1869 (Franz Beckers),

für 1870 (Scheeren).

Es sollten die Namen dann offenbar nachgetragen werden, sie fehlten.

 

Im Jahre 1865 sind unter den Mitgliedern Bürgermeister Fuhrmanns, Herzogenrath, der Beibürgermeister Frohn, der Wundarzt Dr. Pesch, der Direktor Cohnen von der Furth, Prömper (Pley), die Lehrer Schwatzmann und Hermanndung erwähnt. Auch die "Niederquartiere" stellten Mitglieder. Es werden von Reiffeld Meiers, von Birk Küppers, von Reiffeld Greven und Karhausen, von Wefelen Kolberg, und von Forstum Göbbels als Brüder bei der Gesellschaft aufgezählt. Im Jahre 1866 gibt man sich - der kriegerischen Zeit entsprechend - außer den drei Hauptleuten einen Companieführer (Hubert Frohn) und einen Rechnungsführer (Heinrich Drießen).

 

Am 22. Januar 1872 gab man sich neue "Statuten". Danach wird der Schützenmeister vom Vorstand, bestehend aus drei Hauptleuten, einem Fähnrich und einem Buchführer gewählt. Hinsichtlich des Kaiserschildes ist bestimmt, daß es einen Wert von mindestens 10 Talern haben und an einer goldenen Kette im Wert von mindestens 15 Talern getragen werden soll. Vogel und Schilder sind dem Schützenmeister in Verwahr zu geben. Die Scheibe muß in Stücken herunter geschossen werden. Der Ehrenkönig hat besondere Rechte und Pflichten.

 

Im Jahre 1871 ist Schützenkönig M. J. Driehsen, 1872 Küppers.

Für eine neue Fahne hat man im Jahre 1873 pro Schützen einen Taler erhoben. Es fand ein Fahnenweihefest statt mit auswärtigen Gesellschaften.

 

Die Statuten wurden im Jahre 1873 nochmals geprüft und neu fixiert. Insbesondere wurde die Aufnahme inaktiver Mitglieder geregelt. Es erfolgte eine Umstellung der Währung auf Mark. Im Jahre 1873 ist in der Mitgliederliste erstmalig von einem "Präses" die Rede. Es ist der Schlosser Hubert Scheeren aus Duffesheide.

 

Im Jahre 1878 ist Johann Havers Schützenmeister, Hubert Scheeren stellvertretender Schützenmeister, Anton Göbbels Hauptmann I, Heinrich Eigelshoven Hauptmann II, Edmund Schunck Hauptmann III, Peter Josef Beißmann Offizier I, Karl Kahlen Offizier II, Josef Bergrath Schriftführer I, Peter Gay Schriftführer II, Michael Amberg Fähnrich I und Robert Bergrath Fähnrich II.

 

Schützenkönig im Jahre 1879 ist Ferdinand Greven, Reiffeld, im Jahre 1880 Josef Bergrath. Als Mitglied ist Fritz Sieberichs, Schreiner erwähnt. Im Jahre 1882 werden Rentmeister Genuit nebst Rechnungsführer Karhausen, Kaplan Cremer und Postagent Robert Bergrath inaktive Mitglieder. Als Präses wird Steiger Wilbertz aufgeführt.

Gemeinsam mit Cäcilien-Gesangverein beging man am Peter und Paul-Tag 1879 ein Wiesenfest.

Im Jahre 1880 fand am Sonntag, Montag und Dienstag des Peter- und Paul-Festes ein großes Schützenfest statt. Zum Festkomitee gehörten: Genuit, Hamacher, Karhausen. Das Fest hatte einen Überschuß von 131,33 Mark. Daran waren folgende Gesellschaften beteiligt:

  1. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Weiden
  2. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Uebach
  3. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Würselen
  4. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Richterich
  5. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Frelenberg
  6. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Merkstein
  7. St. Sebastianus-Schützengesellschaft von Afden
  8. Friedrich-Wilhelm-Vikt.-Gesellschaft Alsdorf
  9. Hubertus-Schützengesellschaft Morsbach
  10. St. Sebastianus Schützengesellschaft Broich
  11. Krieger-Verein Merkstein
  12. Schützengesellschaft Eilendorf.

Als Sieger sind vermerkt:

EHRENSCHEIBE KAISER WILHELM:

1. Preis: Mathias Josef Plum aus Uebach

2. Preis: Johann Krings aus Würselen

3. Preis: Johann Zimmermann aus Würselen

PREISSCHEIBE DEUTSCHLAND:

1. Preis: Robert Bergrath aus Bardenberg

2. Preis: Anton Göbbels aus Bardenberg

Ehrenvogel: Rechnungsführer Karhausen

Im Jahre 1885 gehören zu den inaktiven Mitgliedern u. a. Lehrer Hamacher, Ortsvorsteher Hermann Horbach,, Lehrer Dahlmann, Brennereibesitzer Rudolf Beckers und Peter Nellessen, Ackerer. Im Jahre 1883 übernimmt Franz Sieberichs die Wirtschaft auf dem Schießplatz. 1889 ist Ortsvorsteher Peter (Egid) Giesen dabei, im Jahre 1891 Inspektor Roß.

Im Jahre 1889 glaubte der damalige Bürgermeister Fuhrmanns, Herzogenrath (Bardenberg, das nur einen Ortsvorsteher hatte, wurde von diesem mitverwaltet), den St. Sebastianus-Schützen das Schießen auf ihrer bisherigen Wiese untersagen zu müssen. Der Ortsvorsteher von Vorscheid (Gemeinde Kohlscheid) hatte dagegen Einspruch erhoben, weil in Vorscheid Bürger durch Kugeln gefährdet worden seien. Lange Zeit fand das Schießen auf der Körfer´schen Wiese statt.

Ob die Bardenberger Schützen auch im Jahre 1890 an einem von der italienischen Regierung veranstalteten nationalen Scheibenschießen in Rom teilgenommen haben, geht aus dem vorhandenen Schriftwechsel nicht hervor. Sie waren jedenfalls mit den Afdener Schützen vorgeschlagen.

Die Bruderschaft im Jahre 1896
Die Bruderschaft im Jahre 1896

Über das Leben in der Bruderschaft um die Jahrhundertwende fehlen leider Archivalien und Urkunden. In den vorhandenen Königsschildern manifestiert sich jedoch ihr Bestehen. Alle Könige sind, im Menü (links), in der Jahresfolge aufgezählt.


 

Im Zuge des Aufbaus des Zentralverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wurde die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Bardenberg Mitglied des Zentralverbandes. Ihr Präses und geistlicher Beistand war Pfarrer Alois Wirtz, Bardenberg. Nach dem Tode des langjährigen Schützenmeisters Martin Flecken leitete Willi Herpers als 1. Brudermeister die Geschicke der Bruderschaft. Gedacht sei hier auch des verstorbenen langjährigen Mitgliedes der Bruderschaft Johann Müller. Er war Träger des ihm vom Bundeskanzler der Erzbruderschaft verliehenen "Hohen Bruderschaftsorden".

 

Die Bardenberger St. Sebastianus-Schützen haben ihren Königsvogel mit sechzig Silberschilden durch alle Fährnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit bewahren können. Dies verdanken sie dem umsichtigen Verhalten einiger Schützenbrüder. Erhalten blieb neben der neuen Fahne die St. Sebastianus-Fahne. In Wehmut betrauern die Schützen jedoch den Verlust der kleinen - mehrfach bis zum Jahre 1939 auf Heimatausstellungen gezeigten, dann ins Heimatmuseum Kornelimünster gebrachten - Schützentruhe. Es war dies ein kleines, mit Eisenbändern gesichertes Kästchen, das ursprünglich wohl zur Aufbewahrung von Urkunden und Wertsachen diente. Verloren gingen auch die ältesten Königsschilder und der Kaiser-Schild Quadflieg.

Unter den neuen Schildern verdient die sogenannte Hindenburg-Plakette und das Ehrenschild der Gräfin von Borchgrave-Blanckart auf Schloss Ottenfeld anlässlich der 250 Jahrfeier (1928) Erwähnung.

Ihnen gesellte sich nunmehr das Schild des Bundeskönigs der Bruderschaft hinzu.

 

Bundeskönig in Bardenberg

 

Willi Josef Vondenhoff wurde im Jahre 1961 König und bald darauf auch Bezirkskönig. Als solcher nahm er mit über 90 Schützenkönigen aus der Bundesrepublik beim IX. Königsschießen  der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften am 23. September 1961 in Coesfeld teil und errang den Titel des Bundeskönigs. Er hatte 27 von 30 möglichen Ringen auf 50-m-Ringscheiben mit Kleinkalibergewehr geschossen.

Bei seiner Heimkehr bereitete ihm seine Heimatgemeinde in Anwesenheit der Spitzen der Behörden und der Bundesschützen am Montag, den 25. September 1961, einen begeisterten Empfang.

Höhepunkt war sodann die "Romfahrt" 1961 von ca. 120 Mitgliedern der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften vom 11.10. bis 21.10.1961 unter Führung des Bundeskönigs. In seiner Begleitung befanden sich der Bundeskönig der Armbrustschützen, Nikolaus Schillings von den Hubertus-Armbrustschützen aus Niederbardenberg, der Bundesmeister Gerhard Fischer aus Würselen und der Diözesanpräses Dechant Rogmann aus Emmerich. Die Fahrt fand ihren Abschluss mit einer Audienz beim Hl. Vater, Papst Johannes XXIII. Stolz trägt der Bundesschützenkönig Willi Josef Vondenhoff die vom Bundeskanzler Adenauer gestiftete Bundeskönigskette. Er hat sie auf dem X. Bundeskönigsschießen am 22./23. September 1962 in Werl/Westfalen seinem Nachfolger kampflos übergeben, da laut Satzung des Zentralverbandes jeder Schütze nur einmal diese hohe Ehre erringen kann.

 


Die Fortführung der Vereinsgeschichte soll nun zunächst mit einem Rückblick auf das Bundeskönigs-Schützenfest von 1962 beginnen. Das nicht nur Bundeskönig Willi Josef Vondenhoff und die Bruderschaft mit Recht stolz auf die erzielte einmalige Leistung sein konnten, sondern auch die Heimatgemeinde Bardenberg, zeigte sich schon bei dem begeisterten Empfang, den Bürgerschaft und Vereine in Anwesenheit von Rat und Verwaltung und der Verbandsspitze dem Bundeskönig am 25.9.1961 bei einem Festzug durch den fahnengeschmückten Ort bereiteten.

Vom 28. bis 30.7.1962 fand dann zu Ehren des Bundeskönigs ein Schützenfest statt, das als das größte Schützenfest und als eines der größten Feste überhaupt in der vereinsfreudigen Gemeinde gilt. Das besondere Ereignis wurde u. a. unterstrichen durch die Übernahme der Schirmherrschaft durch den damaligen Bundesminister Dr. Franz Josef Würmeling und die Anwesenheit des Hochmeisters des Zentralverbandes der Historischen deutschen Schützenbruderschaften, Christoph Bernhard Graf von Galen. Nach zahlreichen Schießwettbewerben, dem Festgottesdienst, einem Heimatabend und dem Königsball im Festzelt (Wiese Sieberichs) ist mit dem Festzug der glanzvolle Höhepunkt des Festes zu nennen, dem auch überörtlich eine außergewöhnlich gute Resonanz beschieden war. Tausende Zuschauer, darunter viele auswärtige, säumten die Straßen, als der imposante Festzug am 29.7.1962 mit achtundvierzig Schützenbruderschaften und Musikgruppen durch den festlich geschmückten Ort zog. Man spürte - wie Bürgermeister Eduard Hoppe es seinerzeit in seinem Grußwort ausdrückte - die Freude und den Stolz der damals rund sechstausend Einwohner zählenden Bürgerschaft, daß der Bundeskönig aus ihr hervorging.

Bardenberg und die St. Sebastianus Schützenbruderschaft mit ihrem Bundeskönig hatten eines der schönsten Vereinsfeste erlebt. Für den Bundeskönig und die Bruderschaft löste die hohe Würde eine Flut von Einladungen - sogar bundesweit - aus. Bundeskönig Willi Josef Vondenhoff, dekoriert mit der von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer gestifteten Bundeskette, folgte jedes Wochenende in Begleitung seiner Bruderschaftsadjutanten Hermann Derichs und Josef Becker Einladungen zu Schützenfesten und Empfängen.

Beim darauffolgenden Bundeskönigsschießen am 22./23.9.62 in Werl/Westfalen und der Übergabe der Bundeskönigskette an den Nachfolger ging eine erlebnisreiche Zeit zu Ende, mit Sicherheit auch für den Ort Bardenberg kein schlechtes "Aushängeschild".

Was bei dieser Nachbetrachtung nicht unerwähnt bleiben darf: 

Eigeninitiative, Fleiß, Kameradschaft und Beliebtheit der Schützenbruderschaft machten erst den schönen Erfolg des Festes möglich, das hinsichtlich der Vorbereitung mit erheblichen Anstrengungen verbunden war.

 


In der bisherigen Vereinsgeschichte wurde darauf hingewiesen, daß eine lückenlose Darstellung durch kriegsbedingte Verluste zahlreicher und meist wertvoller Archivalien unmöglich sei. Zu den unersetzlichen Verlusten gehören z. B. die Königssilber aus der Zeit vor 1867, eine sehr alte Schützentruhe, Fahnen, Degen, schwere Büchsen, Vereins- bzw. Protokollbücher und Kassenbücher aus der Zeit vor 1820 sowie andere Schriftstücke. Es tröstete die Bruderschaft wenig, als ihr im Jahre 1952 für die Verluste eine Kriegsentschädigung von vierhundert DM zuerkannt wurde; natürlich kein Vergleich zu den unersetzlichen Werten.

Wir müssen leider mangels Unterlagen Lücken von langen Zeiträumen, oft über Jahrzehnte, in Kauf nehmen. Nur zwei Beispiele: Aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg einschließlich des vorigen Jahrhunderts liegen nur ganz wenige Fotos vor; an die frühere "Steekull" (jetzt Sportplatz Zechenstraße), viele Jahrzehnte Schießplatz der Bruderschaft gewesen, erinnert nur ein "Situationsplan" von 1889, von dem noch die Rede sein wird. Abgesehen von den tragischen, kriegsbedingten Verlusten, wäre früher etwas mehr Fotografierfreudigkeit allein schon aus Archivgründen nützlich gewesen, nicht zu verwechseln mit der heute allgemein manchmal übertriebenen "Optik-Strategie".

Obschon sich an der bedauernswerten Sachlage der erwähnten Verluste im Grunde nichts geändert hat, war es nun inzwischen doch möglich, weitere Nachforschungen mit interessanten und auch amüsanten Berichten aus dem Vereinsleben zu belegen und diese noch durch die Abbildung alter Schriftstücke und durch Fotomaterial zu ergänzen und illustrieren. Was verbleibt, sollte nicht nur für die Schützenbruderschaft, sondern aus allgemein historischer Sicht der Nachwelt für einen erweiterten Interessentenkreis erhalten bleiben.

                                                   
Alte Königssilber

 

Zu den wertvollsten noch vorhandenen Archivalien der Schützenbruderschaft gehören das älteste Vereinsbuch und das Kassenbuch mit Eintragungen von 1820 bis 1869 und das Königssilber für die Zeit nach 1867. Daß dieses Königssilber mit - bei Kriegsende - sechzig Silberschildern und der alte Königsvogel noch vorhanden sind, ist dem verstorbenen Schützenmajor Johann Müller zu verdanken; er hatte es während des Krieges im Kamin seines Hauses versteckt und so gerettet.

In den alten Vereinsbuch finden sich interessante Eintragungen, die zum Teil im ersten Teil der Vereinsgeschichte beschrieben sind, so auch die "Bedingungen" (heute würde man sie Satzung nennen) der Bruderschaft in vollständiger Fassung, in gestochener Schrift und neun Seiten stark. Neben zahlreichen Mitgliederlisten, Teilnehmerlisten für den Königsvogelschuß und andere Anlässe (z. B. jährliche Feier im Monat Januar zum St. Sebastianus-Tag, Pfarrpatronatstag mit Schützen-"Bronck"-Prozession-) und Protokollen hierüber enthält das zum Vereinsbuch gehörende Kassenbuch Übersichten über Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Jahre, in manchen Fällen bedeutsame Einzelheiten vermittelnd.

 

Zu den wichtigsten Obliegenheiten gilt bis heute zu und galt auch damals die Aufbewahrung des Königsvogels und der Königsschilder (Königssilber). Die Vollzähligkeit der Königsschilder wurde in bestimmten Zeitabständen in Anwesenheit des Schützenkönigs, des Schützenmeisters, der Hauptleute und der anwesenden Schützenbrüder kontrolliert und protokollarisch festgehalten. Die älteste Kontrolle wird 1824 erwähnt und dabei das Vorhandensein von zweiunddreißig Königsschildern protokolliert. Unter den damals vorhandenen Königsschildern stammte das älteste immerhin aus dem Jahre 1786 (Schild des Schützenkaisers Quadflieg).

Die Mitgliederlisten zwischen 1820 und 1869 enthalten nicht nur die Namen der Bruderschaftsmitglieder, sondern verschiedentlich auch ihre Unterschriften. Häufig ist auch die Berufsbezeichnung angegeben.

Wenn wir auch heute das Wort "Schreibkunst" als überholt ansehen und vielleicht nur mit einer weit zurückliegenden Vergangenheit in Verbindung bringen wollen, so beherrschten diese "Kunst" zur damaligen Zeit noch lange nicht alle Bürger. Das geht aus den erwähnten Unterschriftslisten hervor, in denen hin und wieder - da des Schreibens unkundig - als Handzeichen des betreffenden Schützenbruders ein oder mehrere Kreuze mit einem entsprechenden Hinweis des "Buchhalters" anzutreffen sind. Diese Handhabung war damals und auch noch viel später durchaus üblich - natürlich in einer geringeren Anzahl - und nicht selten durch Zeitumstände begründet, die den Schreibunkundigen zumal dann abwerteten, wenn er in seinem Beruf "seinen Mann stand".

Um wenigstens einen kurzen Einblick in das älteste noch vorhandene Vereinsbuch von 1820 zu geben, sind einige Seiten abgedruckt und mit kurzen Hinweisen versehen.

 

Viele Jahrzehnte (genauer Zeitumfang ist bisher nicht zu ermitteln) hatte die St. Sebastianus Schützenbruderschaft ihren Schießstand - früher nannte man ihn Schießplatz - in der sogenannten "Steekull", dem heutigen Sportplatz an der Zechenstraße. Wahrscheinlich befand sich dort der Schießplatz die längste Zeit. Im 325-jährigen Vereinsleben der Bruderschaft, traf man sich auch dort am häufigsten zum Königsvogelschuß. In zahlreichen alten Schriftstücken wird "der Schießplatz" als solcher erwähnt, aber nirgends mit genauer Standortbezeichnung, wie beispielsweise Straßen- oder Flurname. Erst vor etwa fünfundsiebzig Jahren wird der Schießplatz mit "Steekull" beim Namen genannt. Nun wurde im Archiv des Heimatvereins Bardenberg ein "Situationsplan des Schießstandes der Bardenberger St. Sebastianus Schützengesellschaft" aus dem Jahre 1889 entdeckt; der bisher einzige Plan, dem man ganz einwandfrei den Standort "Steekull" entnehmen kann. Keineswegs diente dieser Plan einem erfreulichen Zweck; vielmehr ging es darum, einem "Ukas" der Nachbargemeinde Pannesheide (Nachher Kohlscheid) zu begegnen, womit die Gemeinde Bardenberg in aller Deutlichkeit aufgefordert wurde, keine Schießerlaubnis mehr unter den gegebenen Umständen zu erteilen. Grund: Bewohner und Ortsvorsteher der Ortschaft Vorscheid, zur Gemeinde Pannesheide bzw. Kohlscheid gehörend, hatten auf die Gefahr hingewiesen, welche in Vorscheid durch herabfallende Geschosse während des Bardenberger Vogelschusses 1889 entstanden sei, der "Situationsplan" enthält neben dem Bardenberger Schießplatz auch einen Teil des Ortes Bardenberg und die Nachbarorte Vorscheid und dazwischen Wurm und Wurmtal. Auch ist der Standort der Grube Ath zu erkennen, die in früheren Jahrhunderten eine der bedeutendsten Gruben Bardenbergs war und 1879 stillgelegt wurde. Außerdem enthält der Plan vom Schießstand "Steekull" in Richtung Vorscheid zwei Fluchtlinien (sicherlich angenommene Schußlinien), wovon eine Linie als "Neue Fluchtlinie" und die andere als "Alte Fluchtlinie" bezeichnet ist. Man sieht deutlich, daß sich die "Neue Fluchtlinie" mehr als die andere von der Vorscheider Wohnbebauung abwendet.

Sicherlich ist davon auszugehen, daß "vereinte Friedensbemühungen" der Gemeinde Bardenberg und der St. Sebastianus Schützenbruderschaft nach entsprechenden Sicherheitsverbesserungen zu einem guten Einvernehmen mit den Bewohnern der südwestlichen Wurmuferzone führten, denn seit der Beschwerde im Jahre 1889 bis zur, von den damaligen Machthabern politisch-militärisch begründeten Einstellung des Vogelschusses vor Beginn des zweiten Weltkrieges, hat sich für den Schießstand der Standort "Steekull" bis auf geringe Abweichungen nicht geändert. Im Jahre 1950 kam es dort zum letzten Königsvogelschuß.

In den Archivunterlagen nehmen Erneuerung, Unterhaltung und Verbesserung des Schießstandes "Steekull" einen sehr breiten Raum ein. Sie sind der Beweis für die ständig und bis auf den heutigen Tag anzutreffende Eigeninitiative der Bruderschaft. In vielen alten Kassenbelegen erscheinen zwar immer wieder Materialrechnungen für Erneuerungsarbeiten und Reparaturen, aber fast nie Lohnrechnungen. Bei den Mitgliedern der Bruderschaft dominierten in früherer Zeit der Bergmannsberuf sowie die Handwerks- und gewerbliche Berufe. Aus beruflicher Sicht ergaben sich dadurch natürlich gute Voraussetzungen, selbst Hand anzulegen. Man sah den Sinn der Vereinsgemeinschaft nicht nur in der vereinsbestimmten Betätigung, sondern auch darin und war auch berechtigterweise stolz darauf, "sich selbst helfen" zu können. Man handelte in gemeinsamer Verantwortung und hatte dabei stets ein Auge darauf gerichtet, die Vereinskasse zu schonen.

Es kam der Bruderschaft bei größeren Schießstandarbeiten zugute, daß der Bergmannsberuf bei den Mitgliedern stark vertreten war und dadurch der Eschweiler Bergwerks Verein mit der nahegelegenen Zeche Gouley oftmals eine vorzugsweise und spürbare Hilfe nicht versagte.

Noch ein Blick in die Vergangenheit: Beim Königsvogelschuß 1933 in der "Steekull" gefährdete hereinbrechende Dunkelheit den Abschluß. Im Vereinsbuch ist festgehalten: "Da aber ein Auto auf dem Schießstand war, wollten wir versuchen, bei Scheinwerferlicht weiter zu schießen, und es ging. Man konnte den Vogel gut sehen." Im Gegensatz zu damals ist sicher heutzutage eine ganz große Seltenheit, wenn einmal kein Auto vorhanden wäre!

Um das Thema "Schießstand" zu vervollständigen, sei gesagt, daß der Schießstand vor langer Zeit vorübergehend in der Körfer'schen Wiese (Am Kaiser) und für ein Jahr in der Wiese Göbbels (Grindelstraße) war. Es handel sich um Hochstände. Beide Lösungen befriedegten nicht. Durch den Verlust der schweren Büchsen mußte der Flachschießstand "Steekull" aufgegeben werden. Seit 1950 stand vertraglich die Wiese Sieberichs (Kirchenstraße) zur Verfügung, zunächst mit einem Behelfsstand, der 1960 durch Errichtung eines Leistungsgerechten Hochstandes in Eigenleistung und nach dem Entwurf des Schützenbruders Hermann Derichs ersetzt wurde.

Schießstand nach einem Orkan im Oktober 1968 zerstört.

 

Es war ein schwerer Schlag für die Schützen, als dieser Schießstand im Oktober 1968 durch einen orkanartigen Sturm zerstört wurde.

 

Die Bruderschaft verlor auch jetzt nicht den Mut, improvisierte zunächst und bemühte sich erneut mit Fleiß und Opferbereitschaft um die Errichtung eines neuen und verbesserten Hochstandes, der vom 24. bis 26.6.1972 mit Festlichkeiten seiner Bestimmung übergeben wurde und sich bestens bewährte. Verbunden damit war die Einweihung einer neuen Standarte (Entwurf Hermann Derichs, Anfertigung in einem holländischen Kloster). Erster König auf dem neuen KK Hochstand wurde Manfred Leisten. Insgesamt fanden auf der Wiese Sieberichs 45 Königsschießen statt. In den 90er Jahren ereilte die Bruderschaft ein herber Schlag, die Schützenwiese wurde zum Bauland erklärt. Nach Überlegungen mit Ratsherren, Stadtverwaltung und Polizei, wo der neue Schießstand einen geeigneten Platz finden könnte, wurde man sich schnell einig. 1998 errichtete die Bruderschaft, unter tatkräftiger Mitwirkung aller Schützenbrüder, den KK Hochstand im Grünbereich des Kirmesplatzes.

Die Neugestaltung der Schießanlage wurde seitens der Bevölkerung für Gut befunden. Der Schützenbruder Peter Schillings schoß zum ersten mal auf dieser Anlage, den Holzvogel aus dem Fangkasten.


 

Während nach dem alten Vereinsbuch (1820 - 1869) der Pfarrpatronatstag St. Peter und Paul und der Tag des Vereinspatrons, des hl. Sebastian, festlich begangen wurden, ist zumindest von 1917 bis 1937 mit dem Patronatstag des hl. Antonius am 17. Januar eine "Dreigleisigkeit" nachgewiesen. Eine nachweisbare Erklärung für diese Besonderheit gibt es nicht. Man könnte kombinieren, daß der hl. Antonius Pfarrpatron der damals zur Gemeinde gehörenden Pfarre Niederbardenberg ist und deshalb in die Patronatsverehrung mit einbezogen wurde. Man nahm - wie beim Pfarrpatronatsfest - an der Meßfeier teil und beschloß den Tag in geselliger Runde. Daran und an die Inflation erinnert das Kassenbuch von 1923 mit einer Ausgabeposition von 15.700 Mark "für Musik und Komiker St. Antonius".

Das Kassenbuch der Inflationszeit ist vollständig erhalten und erlaubt einen Blick in die damalige Geldwirtschaft. Eine Seite und ein Geldschein über fünfhundert Millionen Mark als astronomisches Zahlungsmittel von damals sind abgedruckt. Wenn auch alles andere als erfreulich und nur von historischem Wert, so weist die Bilanz 1923 einen unvorstellbaren Überschuß von über einer Billion Mark aus.

Das Kassenbuch läßt auch erkennen, daß die Bruderschaft über viele Jahrzehnte die führende Position bei den öffentlichen Geselligkeitsveranstaltungen im Ort einnahm. Neben dem Schützen- und Kirmesball am Pfarrpatronatstag (mit Vogelschuß) gab es einen Ball zur Herbstkirmes sowie Festivitäten im Januar (St. Sebastianus oder St. Antonius), gelegentlich noch zu Silvester und Christi Himmelfahrt. Die großem Säle müssen stets gut besucht gewesen sein, denn die vermerkten Einnahmen sind - zumal für damalige Verhältnisse - enorm.

 

Herausragende Feste fanden 1928 zum 250-jährigen und 1953 zum 275-jährigen Jubiläum sowie 1935 ein Fahnenweihfest statt, jeweils mit Schießwettbewerben, einem großen Festzug und Zeltveranstaltungen.

Daß die Bruderschaft bei ihren großen Festen hinsichtlich Beteiligung auswärtiger Vereine eine außerordentlich gute Resonanz fand, lag sicherlich an der Kontaktfreudigkeit der Bardenberger Schützen zu diesen Vereinen. Es ist bezeugt, daß die Bruderschaft nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sondern auch in früherer Zeit mehrere Schützenfeste besuchte. Wie erreichte man früher die auswärtigen Orte? Wahrscheinlich - ganz sicher in früherer Zeit - paarte sich der vorhandene Eifer ebenso verständlich mit der Eigenschaft "gut zu Fuß zu sein". Erst bei größeren Entfernungen (z. B. Stolberg, Münsterbusch, Eilendorf, Venwegen, Übach) leistete man sich die Straßenbahn oder einen Lastwagen mit Holzbänken. Die Wirren der Vorkriegs- und Kriegszeit hat die Bruderschaft trotz Zwangsmaßnahmen durch das Nazi-Regime überstanden und auch damals die Vereinstätigkeit - wenn auch eingeschränkt - aufrechterhalten.